Web 2.0 Projekte schießen wie Unkraut aus dem Boden, in diesen Online-Communities sollen die Benutzer von den Erfahrungen anderer Benutzer profitieren. Sei es nun beim Linktausch über Social Bookmarking Dienste oder in Communities, die komplette Benutzerprofile untereinander vernetzen.

In jedem Fall werden hier aber detailierte Benutzerinformationen gespeichert, beim Social Bookmarking noch verhältnismässig anonym, da nur Benutzername und Emailadresse hinterlassen werden muß. In einigen Communities sind aber mittlerweile umfassende Informationen zu allen Benutzern gespeichert, das fängt bei der Anschrift an und hört bei Daten zum aktuellen und früheren Arbeitgebern noch lange nicht auf. Auch die Zugehörigkeit zu bestimmten Interessengruppen ist ersichtlich. All diese Daten werden freiwillig vom Benutzer eingegeben, allerdings sind sich viele nicht darüber bewußt, wie öffentlich ihre Daten in einigen Communities zugänglich sind.

Beispielsweise werden Informationen über neue Kontakte, die der Benutzer im Netzwerk geknüpft hat, öffentlich gemacht. Man stelle sich nun vor, daß der Benutzer einen Bekannten bei einem Konkurrenzunternehmen hat, diesen als neuen Kontakt angibt und sein Arbeitgeber dies sehen kann. Sicher läßt sich das klären, aber ohne den Web 2.0 Gedanken wäre diese Information da geblieben, wo sie hingehört: Beim jeweiligen Benutzer.

Auch Gruppenzugehörigkeiten und neue Interessen werden für alle Benutzer einsehbar, solange man sich auf geschäftliches beschränkt und nachdenkt, bevor man sich einer Gruppe anschließt, mag das in Ordnung sein. Sobald aber hier beim Mitarbeiter einer Mobilfunkfirma die “Handymastengegner München Ost” auftauchen…….

Das schlimmste ist, daß die Freigabe dieser Informationen standardmäßig eingestellt ist und explizit in den Optionen abgestellt werden muß.

Ich verzichte hier bewußt darauf Namen zu nennen, da sich wohl jeder denken kann, welche Web 2.0 Projekte gemeint sind.

Ich denke, daß Web 2.0 sicher viele Vorteile bringt, allerdings sollte man sich besser den je überlegen, welche Daten man bereit ist preiszugeben. Wer im richtigen Leben nicht in jeder Situation zu etwas stehen kann, sollte sich auch in einer Web 2.0 Community besser nicht dazu bekennen.

Auch die angestrebte Informationssuche über Web 2.0 wird datenschutztechnisch keinesfalls unbedenklich. Darüber könnte der Betreiber der Community komplette Bewegungsprofile eines Benutzers im Internet erstellen. Auch wenn diese noch so anonymisiert werden, bleibt immer noch das Risiko, daß die Daten im Hintergrund gespeichert und für andere Zwecke verwendet werden.

Datenschutz und Privatsphäre werden umso wichtiger, je mehr Benutzerdaten und Verknüpfungen gesammelt und erstellt werden. Dessen sollte sich jeder bewußt sein und Web 2.0 Angebote nicht nur anhand der Möglichkeiten beurteilen, die sie bieten, sondern auch anhand der Datenschutzrichtlinien, die sie vertreten.